Türen auf, Begegnungen an
Oliver Burgmann steht vor einer großen Gruppe Besucher und erklärt, was es mit den kleinen Bauteilen vor ihm auf sich hat. Welches Teil kommt wohin? Worauf muss bei der Montage geachtet werden? Und was passiert im nächsten Arbeitsschritt? Der Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstatt Eibelshausen weiß es genau. Es sind Szenen wie diese, die den Tag der…

Oliver Burgmann steht vor einer großen Gruppe Besucher und erklärt, was es mit den kleinen Bauteilen vor ihm auf sich hat. Welches Teil kommt wohin? Worauf muss bei der Montage geachtet werden? Und was passiert im nächsten Arbeitsschritt? Der Beschäftigte der Lebenshilfe-Werkstatt Eibelshausen weiß es genau.
Es sind Szenen wie diese, die den Tag der offenen Tür der Lebenshilfe Dillenburg in Eibelshausen am vergangenen Donnerstag prägten. Rund 100 Besucher nutzten die Gelegenheit, die Werkstatt und die räumlich integrierte Tagesförderstätte kennenzulernen. Dabei ging es nicht nur darum, Produktionsabläufe zu erklären. Vor allem ging es um die Menschen, die hier arbeiten und ihren Alltag verbringen. Und darum, welche Bedeutung Arbeit für sie hat.
„Arbeit ist eben viel mehr als die Tätigkeit an sich“, betonte Werkstattleiter Benjamin Weyerich. „Sie bedeutet soziale Kontakte, Wertschätzung und vor allem Selbstwirksamkeit: Ich kann etwas, ich leiste etwas und das, was ich tue, wird gebraucht.“
Hoher Qualitätsanspruch
55 Menschen mit Unterstützungsbedarf arbeiten derzeit in vier Produktionsgruppen am Standort Eibelshausen, begleitet von 14 hauptamtlichen Mitarbeitenden. Ein Schwerpunkt liegt auf der Montage von LED-Beleuchtungselementen für die Wohnmobilbranche. Produziert wird in Eibelshausen und am Standort Ewersbach unter anderem für Unternehmen wie Dometic, Reich, Rittal, ILA Langner, Pfeifer und Seibel sowie Hailo Wind. „Diese Bandbreite hat bei den Besuchern für viele Aha-Momente gesorgt. Vielen war gar nicht bewusst, was wir hier alles machen“, so Weyerich.
Dass es dabei nicht um Beschäftigung um der Beschäftigung willen geht, wurde bei den Führungen schnell deutlich. Die Werkstatt ist Dienstleister und Zulieferer für Unternehmen und muss sich an entsprechenden Anforderungen messen lassen. „Unsere Termintreue ist sehr hoch, und wir haben einen hohen Qualitätsanspruch“, erklärte Weyerich den Gästen.
An Mitmachstationen konnten die Besucher selbst ausprobieren, was die Beschäftigten tagtäglich leisten. Auch andere Bereiche der Lebenshilfe Dillenburg präsentierten sich: Der Hofladen der Reha-Werkstatt hatte eine breite Auswahl seiner selbst hergestellten Produkte mitgebracht, die vor Ort nicht nur angeschaut, sondern auch gekauft werden konnten. Der Dorfladen Nanzenbach gab mit einer Ausstellung ebenfalls Einblicke in sein Angebot. So wurde deutlich, wie vielfältig die Arbeits- und Beschäftigungsmöglichkeiten innerhalb der Lebenshilfe Dillenburg sind.
„Viele würden am liebsten gar keinen Urlaub nehmen“
Dass nicht nur die Arbeit selbst, sondern auch das soziale Umfeld wichtig ist – diese Erfahrung macht Sabine Zimmer als Sozialer Dienst der Werkstatt Eibelshausen im Alltag immer wieder. Für viele Beschäftigte sei die Werkstatt ein zentraler Bestandteil ihres Lebens: Hier treffen sie Freunde und Bekannte, gehören zu einer Gemeinschaft und erleben einen strukturierten Alltag.
Wie groß diese Bedeutung ist, zeigt sich für Zimmer an einem ganz einfachen Beispiel: Viele Beschäftigte würden am liebsten gar keinen Urlaub nehmen. Nicht, weil Erholung keine Rolle spiele, sondern weil ihnen ihr Arbeitsplatz, die vertrauten Abläufe und vor allem die Menschen dort fehlen.
Erst Zurückhaltung, dann echte Begegnungen
Nur wenige Schritte von den Produktionsgruppen entfernt eröffnete sich den Gästen eine andere Welt. In der Tagesförderstätte werden 21 Menschen mit einer schwerstmehrfachen Beeinträchtigung und hohem Unterstützungsbedarf begleitet, für die eine Beschäftigung in der Werkstatt derzeit nicht oder nicht mehr möglich ist.
Und gerade dort zeigte sich im Laufe des Tages, was ein Tag der offenen Tür bewirken kann. „Der Bereich war für viele vorher völlig unbekannt, und daher war es so wichtig, diese Einblicke zu ermöglichen“, erzählt Lea Seibel, Leiterin der Tagesförderstätten. „Anfängliche Unsicherheit hat sich schnell verflüchtigt. Auch war es eine schöne und anerkennende Wertschätzung für die Arbeit der Mitarbeitenden“
Erst vor kurzem wurde die Tagesförderstätte räumlich erweitert. Auf rund 200 Quadratmetern entstanden acht zusätzliche Plätze. Möglich wurde dies durch den Umzug der Aktenvernichtung nach Dietzhölztal-Ewersbach.
360 Tonnen Akten pro Jahr
In der nun ausgelagerten Aktenvernichtung arbeiten inzwischen 19 Menschen mit Unterstützungsbedarf, begleitet von vier hauptamtlichen Mitarbeitenden. Rund 560 Kunden im Lahn-Dill-Kreis nutzen das Angebot. Etwa 360 Tonnen Altakten werden dort jedes Jahr datenschutzgerecht vernichtet.
Die Zahlen zeigen die Dimension der Arbeit. Was Zahlen dagegen kaum abbilden können, waren die vielen kleinen Momente dieses Tages: Beschäftigte, die Gästen ihren Arbeitsplatz erklärten. Besucher, die Tätigkeiten selbst ausprobierten. Fragen, die gestellt wurden. „Der Tag der offenen Tür war eine sehr gute Gelegenheit zur Netzwerkerweiterung“, resümiert Werkstatt-Bereichsleiter Lars Lückoff. „Inklusion findet da statt, wo Begegnungen erfolgen.“
Für den Standort Eibelshausen war es zugleich ein Tag mit Blick in die Zukunft. Mit dem geplanten Neubau der Lebenshilfe-Werkstatt in Dillenburg-Frohnhausen sollen Werkstatt und Tagesförderstätte perspektivisch im zweiten Quartal 2028 einen neuen Standort erhalten.









