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„Lesestunde“ ist ein kulturelles Highlight

Lesestunde, Schreibwerkstatt, Kinofilm, Ausstellung, Themenwoche im Fernsehen – Menschen mit Behinderung sind in diesem Jahr kulturell in Mittelhessen oft in Erscheinung getreten. Möglich gemacht hat das unter anderem Lebenshilfe-Kulturreferent Sascha Kirchhoff, der in seinen Projekten Menschen mit Behinderung eine Stimme und ein Gesicht gegeben hat. Welches war das kulturelle Highlight in diesem Jahr? Sascha Kirchhoff:…

Lesestunde der Lebenshilfe Dillenburg: Gruppe liest und diskutiert gemeinsam am Tisch mit Masken.

Lesestunde, Schreibwerkstatt, Kinofilm, Ausstellung, Themenwoche im Fernsehen – Menschen mit Behinderung sind in diesem Jahr kulturell in Mittelhessen oft in Erscheinung getreten. Möglich gemacht hat das unter anderem Lebenshilfe-Kulturreferent Sascha Kirchhoff, der in seinen Projekten Menschen mit Behinderung eine Stimme und ein Gesicht gegeben hat.

Welches war das kulturelle Highlight in diesem Jahr?

Sascha Kirchhoff: Ein Highlight war auf jeden Fall unsere Lesestunde in der Stadtbücherei Dillenburg, mit der wir das Konzept des „Shared Reading“ weiterentwickelt haben: Über Geschichten bauen wir Brücken und ermöglichen Menschen mit Behinderung niedrigschwellig über sich selbst zu sprechen, ohne wirklich über sich selbst zu sprechen. Großartig ist, dass wir für das Projekt, das die Loh Foundation großzügig unterstützt hat, Johanna Oechsle vom Kulturhaus Frankfurt als professionelle Begleitung gewinnen konnten.

Wie muss man sich die Lesestunde vorstellen?

Sascha Kirchhoff: Menschen mit und ohne Behinderung treffen sich für jeweils anderthalb Stunden, um gemeinsam eine Geschichte aus dem Buch „Lies!“ in drei Abschnitten zu hören und darüber zu sprechen. Bei uns geschieht das in leichter Sprache und bildgestützt mit im Vorfeld erstellten Illustrationen. Nach jedem Abschnitt sprechen wir über das Gehörte:  Ist mir schon mal etwas Ähnliches passiert, wie würde ich mich in der Situation verhalten etc.  Aufgrund ihrer Behinderung sind diese Menschen oft nicht fähig, ihre Gefühle adäquat zu sortieren, zu verstehen oder zu äußern. Durch unser Konzept fließen ihre eigenen Gedanken mit ein, indem sie über jemand anderen sprechen.

Wer kann teilnehmen?

Sascha Kirchhoff: Alle. Wir sind häufig ein gleicher Kreis mit zehn bis zwölf Personen, es gibt aber auch immer wieder neue Leute. Ob mit oder ohne Behinderung, macht keinen Unterschied. Das Ganze ist eine Veranstaltung, bei der Inklusion nicht nur draufsteht, sondern auch drinsteckt. Wichtig war uns, dass die Lesestunde an einem öffentlichen, zentralen und barrierefreien Ort stattfindet.

Sascha Kirchhoff macht über die Kulturarbeit der Lebenshilfe Dillenburg Menschen mit Behinderung sichtbar in der Gesellschaft. (Foto: Sandy Haustein)

Nun war die Lesestunde eines der kulturellen Jahreshighlights der Lebenshilfe Dillenburg. Welche anderen gab es darüber hinaus?

Sascha Kirchhoff: Die Schreibwerkstatt, den Ursprung unserer Kulturarbeit, haben wir neu und effizienter aufgestellt mit vier festen Terminen, einem festen Ort und einer festen Gruppe. Aber auch dort kamen immer neue Leute hinzu – etwa ein junges Mädchen, das zuvor noch nie etwas mit Menschen mit Behinderung zu tun gehabt hat, aber teilgenommen hat, weil sie gern liest und sich mit ihren Berührungsängsten und der Angst, Texte vorzutragen, herausfordern wollte.

Die Kulturarbeit der Lebenshilfe Dillenburg war in diesem Jahr auch häufig im Fernsehen vertreten…

Sascha Kirchhoff: Ja, das stimmt. Toll war, dass der Hessische Rundfunk sogar eine Themenwoche gesendet hat als Reaktion auf eine Fotoausstellung von uns und darin unsere Betriebsintegrierte Beschäftigung – sprich: Menschen mit Behinderung auf dem ersten Arbeitsmarkt – gezeigt hat. Aus dem Projekt sind weitere neue Arbeitsplätze entstanden, und wir freuen uns, mit unseren Aktionen häufig Vorreiter und auch Ideengeber für andere zu sein. Als namhaften Fotografen konnten wir Marvin Ruppert gewinnen. Etwas, was uns ausmacht: dass wir bei unseren Projekten mit Profis zusammenarbeiten.

Vorreiter war die Lebenshilfe Dillenburg ja zum Beispiel auch mit ihrem Podcast „Inklusivminuten“?

Sascha Kirchhoff: Das macht uns auch sehr stolz, dass inzwischen einige andere Einrichtungen ebenfalls inklusive Podcasts produzieren und Menschen mit Behinderung eine Stimme geben. Ebenso wie die Tatsache, wen wir schon alles als Gast dabeihatten. Angefangen bei Gesundheitsminister Karl Lauterbach bis hin zum Beatbox-Weltmeister, der mit unseren Betreuten einen Song aufgenommen hat.  Unser Wunsch ist, Menschen mit Behinderung eine Plattform zu geben, so dass ihre Meinung gehört wird. Der Podcast entwickelt sich in seiner Form dabei ständig weiter.

Die Filmreihe „A Police Adventure“ hat in diesem Jahr mit ihrem dritten Teil Premiere beim Herborner Open-Air-Kino gefeiert. War das der letzte Teil?

Sascha Kirchhoff: Vorerst ja. Für das kommende Jahr haben wir einen Ritterfilm über die Geschichte der Stadt Dillenburg in Planung. Für unsere Darsteller ist das deutlich mehr als ein Spaßprojekt: Sie werden in der Stadt erkannt und angesprochen mit „Ihr seid doch die Schauspieler“. Für Menschen, die nicht oft das Gefühl haben, im Mittelpunkt zu stehen und stolz auf sich sein zu können, ist das etwas ganz Wertvolles.

 

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