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Stefanie Ammann stapelt hoch hinaus

Hochstapeln ist ihre Leidenschaft. Seit 15 Jahren ist Stefanie Ammann Speed-Stackerin. Heißt: Die Bickenerin stapelt in Windeseile Becher in vorgegebenen Formationen aufeinander. 2019 ist die junge Frau mit Beeinträchtigung in ihrer Leistungsgruppe nicht nur mehrfache deutsche Meisterin, sondern auch Weltmeisterin geworden. Rechts, links, rechts, links. Die Hände der 28-Jährigen fliegen über die Matte. Einer der…

Weltmeisterin Stefanie Ammann mit Medaillen beim Sport-Stacking mit Bechern und Timer-Matte draußen.

Hochstapeln ist ihre Leidenschaft. Seit 15 Jahren ist Stefanie Ammann Speed-Stackerin. Heißt: Die Bickenerin stapelt in Windeseile Becher in vorgegebenen Formationen aufeinander. 2019 ist die junge Frau mit Beeinträchtigung in ihrer Leistungsgruppe nicht nur mehrfache deutsche Meisterin, sondern auch Weltmeisterin geworden.

Rechts, links, rechts, links. Die Hände der 28-Jährigen fliegen über die Matte. Einer der Becher fällt um und reißt die halbfertige Pyramide mit sich. Stefanie Ammann ärgert sich. „Ich muss wieder mehr trainieren. Ich bin richtig eingerostet.“

Die Beschäftigte der Dillenburger Werkstätten trainiert beim TSV Bicken, bei den „Speed Aartacks“. Über Freundinnen ist sie damals zu dem Sport gekommen. Ob ihre Einschränkung im Verein jemals ein Thema war? Sie schüttelt den Kopf und lacht. „Das ist dort total egal. Und außerdem kann ich gut mit den anderen mithalten.“ Sie vertritt die Ansicht: „Jeder Mensch kann Speed Stacking lernen. Es ist alles reine Übungssache. Erst muss man die Grundkenntnis haben, die Geschwindigkeit kommt dann von ganz allein.“  Man müsse sich langsam vorarbeiten in den drei Schwierigkeitsstufen: vom 3-3-3 über den 3-6-3 bis hin zum Cycle. In allen drei Disziplinen sowie im Doppel und in der Staffel ist Stefanie Ammann 2019 Deutsche Meisterin bei den Special Stackers geworden. Dort tritt sie in der Leistungsklasse für Menschen mit geistigem Handicap an. Doch damit nicht genug: Im spanischen Molina krönte sie das Jahr mit insgesamt fünf Goldmedaillen bei den Weltmeisterschaften.

„Ich wusste, dass ich gute Chancen hatte zu gewinnen, weil ich auch zu dem Zeitpunkt schon Rekordhalterin in meiner Leistungsklasse war.“ Dass sie aber auch, als es drauf ankam, hochkonzentriert ihre Leistung abrufen konnte, verdankt sie ihrem Erfolgsrezept: „Einfach ruhig bleiben.“ Abends sei sie dann mit einem dicken Grinsen im Gesicht eingeschlafen. „Ich bin schon sehr stolz“, sagt sie und fügt fast verschämt hinzu: „Ich habe sogar eigene Autogrammkarten.“ Sie setzt ihre Unterschrift darauf. Mit der linken Hand. Dabei ist beim Speed Stacking die rechte ihre starke Hand. Speed Stacking fördert die Beidhändigkeit, die Koordination und die Reaktion. Das fasziniert sie daran: „Meine beiden Gehirnhälften werden gefordert dadurch.“

Sie stapelt und stapelt. Und wird immer schneller. Der Ehrgeiz hat sie gepackt. In der Königsdisziplin, dem Cycle, will sie jetzt zumindest eine Neuner-Zeit erreichen. „Yes!“ Triumphierend reckt sie den Timer in die Höhe. 9,291 Sekunden. „Es wird Zeit, dass Corona endlich vorbei ist und wieder Wettkämpfe stattfinden können. Und regelmäßiges Training.“

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